Sonntag, 17. Juli 2011
Sommer
Ein grauwarmer Landregen dampft
beim Nelkenfeld unten am Fluss.
Ergiebig und schwer fällt er sanft
auf welkende Welt und verkrampft
die Blüten zum kraftlosen Kuss.
Ich drücke die Lippen ans Glas,
die Hände im Stoff der Gardinen.
Die klebenden Blumen im Gras.
Mir ist, was ich sah, als ich saß,
todtrauriger niemals erschienen.
Donnerstag, 16. Dezember 2010
Winterlied
Ich schäle mich aus meiner Decke
Kaffee, Lesen, Tanzen, Bier
Der Winterwind bringt mich zur Strecke
ich bin nie dort und bin nie hier
Ich stürze schwer wie ein gefällter
Baum ins Bett und träume sacht
nicht groß zu werden und nicht älter
bis schweigend Stern um Stern erwacht
Und selbst wenn alles bald verborgen
liegt in Schweigen, Schnee und Eis
bist du das erste, was ich morgens
und letzte, was ich abends weiß
Donnerstag, 4. November 2010
Welk
Kinder rascheln durch den Herbstwald
wirbeln bunte Blätter auf
unter den Platanen nimmt bald
strenger Winter seinen Lauf
Doch ein letztes Mal noch stemmen
Sonne, Sinne sich empor!
Wenn die Winde Bäume kämmen
rauscht das Laub von Ohr zu Ohr
Schon im nächsten Frühjahr sprießen
neue, junge Knospen auf
Wie die Jahreszeiten fließen
fließen Menschenleben auch
Tiefe Trauerweiden decken
Fluss und Stadt mit Blättern ab
Glanz des Sommers steigt erschreckend
schwach hinunter in sein Grab
Sonntag, 17. Oktober 2010
Wie
Wie soll ein Mensch ertragen dass er
nicht gehen kann auf Luft und Wasser
nur älter wird und grau und blasser
und dass er niemals wieder was er
liebt sich trauen wird zu lieben
Sonntag, 10. Oktober 2010
Irgendwann
Mein Herz ist fort, fort anderswo
ich weiß es fest bei dir und bange
um Zeilen, Zeichen, die ich fange
Die Sehnsucht brennt, brennt lichterloh
Mein Schmerz ist stumpf, dumpf ebenso
wie Bilder deiner weichen Wange
ich fange Gleichgewicht nicht lange
kein Halt, kein Licht im Nirgendwo
Ich suche ferne Zuversicht
was Hoffnung heißt verschwindet nicht
Wie Wellen Felsen überwinden
Und wie nach Ebbe kahler Strand
Versöhnung sieht von Meer und Sand
So will ich wieder zu dir finden
Dienstag, 5. Oktober 2010
Am Rhein / Du fehlst
Wie friedlich fließt doch Vater Rhein
am Deich bei Pappeln, Weiden, Eichen
Und glanzvoll bricht der Sonne Schein
durch Herbstluft, golden, Winter weichend
Was war, was lebte, ist verwelkt
Für alle Zeit schien es zu blühen
Und blutet aus auf totem Feld
erstickt, um Würde noch bemühend
Der Rhein nimmt Tod und Trennung auf
und Leid und was in ihn will fliehen
nimmt sommers, winters seinen Lauf
wie er muss Leben, Lieben fließen
Sonntag, 26. September 2010
Am Morgen nichts Neues
Mein Kopf ist müde, verbittert und leer
das Rückgrat gebrochen, die Beine schwer
So finde ich Schlaf, erlösend und satt
die Nacht senkt sich gnädig über die Stadt
Die Nacht schenkt Träume, die sie gleich erfüllt
Mein Herz schläft in warme Wahrheit gehüllt
nur um, wenn Sonne das Dunkel vertreibt
zu merken, dass von den Träumen nichts bleibt
Montag, 8. März 2010
Karriere
Nach dem Gründungsfeuer des Internets
strömt das Mündungsfeuer aus Mousetouchpads
Die Schützen sind dreizehn, vierzehn vielleicht
die Pfützen aus Pixelblut wabern seicht
Ein Spiel, natürlich, nicht Realität
BOOM BOOM, BANG BANG, lie down, you’re dead
Über die Kälte freut sich nach Jahren
ein General:
“Schön, die schießen wie kriegserfahren!”
Sonntag, 7. März 2010
Tiere (2): Schafe
Wie findet das Schaf in den Schlaf?
Es fühlt sich wohl wohl in der Wolle
und schätzt die Weite der Weide,
statt Stahl im stattlichen Stall.
Doch was, wenn das Gras sticht wie Glas?
Der Himmel vor Sternen nur wimmelt?
Dann grinst das Schaf kurz verwegen.
Und zählt stumm seine Kollegen.
Montag, 22. Februar 2010
Kahl
Zurück in meinem Zimmer leuchtet
keine Kerze liebevoll
Nur noch Neon angefeuchtet
und der Straße Donnergroll
Das alte Bett zu klein für zwei
scheint alleine übergroß
Der weißen Wände Hohngeschrei
stellt mich schlaflos grübelnd bloß
Kein weiches Haar nur harte Kissen
Nicht Kopf nicht Fuß nicht Kuss nicht Du
Ich streichle nur das Dichvermissen
und decke mich mit Schwermut zu