Montag, 8. März 2010

Karriere

Nach dem Gründungsfeuer des Internets
strömt das Mündungsfeuer aus Mousetouchpads
Die Schützen sind dreizehn, vierzehn vielleicht
die Pfützen aus Pixelblut wabern seicht

Ein Spiel, natürlich, nicht Realität
BOOM BOOM, BANG BANG, lie down, you’re dead
Über die Kälte freut sich nach Jahren
ein General:
“Schön, die schießen wie kriegserfahren!”

Sonntag, 7. März 2010

Tiere (1): Das Schaf

Wie findet das Schaf in den Schlaf?
Es fühlt sich wohl wohl in der Wolle
und schätzt die Weite der Weide,
statt Stahl im stattlichen Stall.

Doch was, wenn das Gras sticht wie Glas?
Der Himmel vor Sternen nur wimmelt?
Dann grinst das Schaf kurz verwegen.
Und zählt stumm seine Kollegen.

Montag, 22. Februar 2010

Kahl

Zurück in meinem Zimmer leuchtet
keine Kerze liebevoll
Nur noch Neon angefeuchtet
und der Straße Donnergroll
Das alte Bett zu klein für zwei
scheint alleine übergroß
Der weißen Wände Hohngeschrei
stellt mich schlaflos grübelnd bloß
Kein weiches Haar nur harte Kissen
Nicht Kopf nicht Fuß nicht Kuss nicht Du
Ich streichle nur das Dichvermissen
und decke mich mit Schwermut zu

Sonntag, 21. Februar 2010

Der Stadtmensch

Schluck mich, nimm mich, fremde Stadt,
auf in deiner grauen Masse.
Beiß mich, friss dich an mir satt,
präge, drück mich matt und glatt,
dass ich in die Masse passe.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Letzte Worte

Auf der Reeperbahn nachts um halb vier
(ob du ein Mädel hast oder ein Bier)
rast ein Krankenwagen herbei,
denn der eine liegt da seit drei.
Sie tragen den Kiezkönig fort.
Ach: Schnaps war sein letztes Wort.

Donnerstag, 5. November 2009

Requiem

Ein ängstlicher Herbst, längst nicht Frühjahr
Der Kuss, der im Sommer präsent war,
klebt rot in den Blättern und fällt gar
auf Stein und souffliert mir ein Drama

Nicht hoffende Hast à la Vormärz
Ich senke mein Lied eine Moll-Terz
Von außen ereilt mich ein Sturschmerz
nun frisst er sich gnadenlos herzwärts

Mittwoch, 30. September 2009

zugzwang

stadt um stadt tragen mich gleise
in stunden welten weg von dir
Wir wünschen angenehme Reise
beklemmung klemmt sich fest in mir

die reserven deiner worte
aufgezehrt bis auf den grund
deine blicke, die ich horte
erinnern mir die seele wund

hilflos sehe ich wie bäume
bäume jagen an der scheibe
bette meinen kopf und träume
dass ich zu dir komm und bleibe

Mittwoch, 29. Juli 2009

Holocaustmahnmal, Berlin

Am Berliner Reichstag mahnen
Quader, wogen schwarz und schwer
Diese glatten, hohen, zahmen
Steine stechen aus dem Teer

Schweigend für die fernen Toten
klagen sie das Gestern an
sie sind eindringliche Boten
gegen kalten Rassenwahn

Auf den Steinen, auf den Quadern
Liebespaare, Freude, Tag
Blut in der Geschichte Adern
Blut, das fließen, wärmen mag

So decken Lachen, Küsse, Licht
diese Stätte leise zu
Uns entgeht die Mahnung nicht
und die Toten finden Ruh’

Freitag, 3. Juli 2009

nach hause kommen

schwarz ziehen zerrissene
fetzen wortlos über unser land
grelles neon betäubt meine
augen und den verstand
der verstand, flüssig, kalt
und das lachen der leute
höhnisch und schrill
ich will nach hause, nach hause
und putze mir das zahnfleisch
blutig

Dienstag, 30. Juni 2009

Es war

Wir haben bei Kerzen und Sternen und Nacht,
klein auf der Wiese, die Knie am Kinn,
groß in den Herzen und uns ein Gewinn,
bewacht durch den Mond diesen Abend verbracht.

Ich habe bei Kerzen und Sternen so sacht
stotternd gedacht, was ich ohne euch bin
und lachte im Traum zu Früherem hin -
als Realität in mein Lach-Leben kracht:

Abschied und Arme und Tränen, die tropfen,
in Schwermut brutal auf die Schultern klopfen.
Zusammenhangslos den Zusammenhang los

ziehen wir in die Welt, gebrochen, verprellt,
mit geschnürten Bündeln und Hälsen gesellt
sich jeder ins Leben, jetzt einsam, jetzt groß.