Freitag, 29. Juni 2007

Der berauschende Redner

Er öffnet den Mund, beginnt den Bericht.
Die Worte sprudeln aus ihm heraus,
die Gedanken sind denen der Hörer voraus.
Das Publikum spricht.

Die Wortwalze wälzt sich, Momente verfliegen.
Doch auch nach gefühlt gefühllosen Stunden
hat der Referent keine Pointe gefunden.
Kugelschreiberminen verbiegen.

Endlich! Danke für die Aufmerksamkeit.
Von Aufmerksamkeit war nie eine Spur,
ein Tross, der durch geistige Einöde fuhr.
Schläfrig nach all der verlorenen Zeit.

Samstag, 23. Juni 2007

Liebe erfinden

Unbezahlbar schöne Stunden
Unzertrennlich dir verbunden
Unerobertes erkunden
Unvergleichliches gefunden

Zu zweit so viel Zeit
Zeitlose Zweisamkeit
Keine Zeit weit und breit
für zeitweise Einsamkeit

Sich im Regen nicht regen
Den Stillstand bewegen
Den Wind überwinden
Die Liebe erfinden

Donnerstag, 21. Juni 2007

Tage ohne Ideologie

Die Ratlosigkeit steht ins Gesicht geschrieben,
sie konsumieren gierend die Belanglosigkeit.
Wen bewundern? Wen hassen? Wen lieben?
In einer träge dahinschlummernden Zeit.

Das Essen wird vorgekaut serviert,
sie entsprechen der simplen Alltagsnorm.
Die Presse, die sich im Primitiven verliert.
Die Politik reformiert die Reform der Reform.

Kein Diktator, den es stürzen gilt!
Kein Krieg! Kein Hass! Höchstens Neid.
Keine Faschisten, zum Morden gewillt!
Sie dämmern bloß, in Untätigkeit.

Wer hilft ihnen, den Blinden, den Tauben?
Wer bekämpft die Monotonie?
Doch wofür stehen? Und woran glauben?
In den Tagen ohne Ideologie.

Montag, 11. Juni 2007

Danke

Du, ganz herzlichen Dank!
Wirklich, das hast du prima gemacht,
ich habe einfach nicht gedacht,
dass es so gut werden könnte!

Ja, ich hatte kein Vertrauen.
Zu wem auch? Zu mir?
Schwieriger noch: Zu dir?
Aber jetzt ist alles perfekt!

Sonst bin ich ewiger Bettler.
Ich erbettle mir Liebe und Ruhm,
ich erflehe mir Ruhe, ohne zu ruhen!
Dass dich das nicht nervt…

Ohne diese Dankbarkeit
kann ich es nicht sehen.
Schon gar nicht: Verstehen!
Was du alles schenkst.

Mittwoch, 6. Juni 2007

Der Einzug der Gier

Der Morgen ist trüb, dennoch klopft es bei mir.
“Guten Tag!”, höre ich. “Mein Name ist Gier.
Wie sie wissen, wohne ich hier.”

Ich öffne die Tür um einen winzigen Spalt,
erblicke draußen eine dunkle Gestalt.
Sie ist durchaus höflich, doch die Augen sind kalt.

“Davon ist mir leider rein gar nichts bekannt,
bestimmt hat man ihnen falsche Namen genannt.”
Erklärend zeige ich auf das Schild an der Wand.

Im folgenden Kampf bin ich unterlegen,
über Wochen bringt die Gier mir Feindschaft entgegen.
Am Ende vermag ich mich kaum mehr zu regen.

Ich verkaufe mich rasch an das geifernde Tier,
schon regiert mich die Gier!
Sie wohnt jetzt bei mir.

Freitag, 1. Juni 2007

Lebenswerk

Der Regen, der so trist aus den Wolken fällt,
der Nebel, der drohend die Pflanze umringt,
dein Blick, der die schwärzesten Nächte erhellt,
deine Stimme, die mir goldene Zeilen singt.
Der Schmerz, der die Körper der Alten durchfährt,
die Trauer, die den Jungen die Kehle verschnürt,
deine Hand, die die meine zu halten begehrt,
dein Herz, das die Glut meiner Liebe schürt.

Der Sturm, der die Schwachen dem Boden entreißt,
die Welle, die den Widerstand Wehrloser bricht,
dein Kuss, mit welchem mein Jubel entgleist,
dein Mund, der zärtlich zu meinem spricht.
Die Wüste, die den Tod des Verirrten sucht,
die Schlucht, deren Grau jedes Leben verwehrt,
deine Sehnsucht, die zum Olymp der Gefühle ruft,
dein Glück, das meine liebende Anstrengung ehrt.

Die Hoffnung, die im Hass der Kriege erlischt,
das Kind, das nach seiner Mutter schreit,
dein Finger, der meine salzigen Tränen abwischt,
dein Zuspruch, der mich von quälender Sorge befreit.
Der Gottlose, der mit seinem Verbrechen prahlt,
der Mörder, der das Leid des Opfers verlacht,
dein Auge, das glänzt und der Sonne gleich strahlt,
deine Liebe, die mich auf ewig unsterblich macht.

Das Feuer, das so oft durch Gleichmut erstickt,
die Flammen, die zu lodern nicht enden sollen,
dein Gesicht, das meines mit Freude erblickt,
deine Arme, die mich niemals verlieren wollen.
Unser Begehren, uns gegenseitig zu führen,
unser Ziel, uns wärmende Liebe zu geben,
unser Werk, des Anderen Ängste zu spüren -
Unser Traum: Nie wieder alleine zu leben!