Dienstag, 31. Juli 2007
An die Sterne
Eines wüsste ich sehr gerne:
Fühlt ihr euch einsam, liebe Sterne?
Ihr seid so weit von euch entzweit
und leuchtet still in Schweigsamkeit.
Bestimmt erblasst ihr gleich vor Neid:
Wir kennen keine Einsamkeit!
Denn wenn man euch sehr stumm betrachtet,
wird man von Dunkelheit umnachtet.
Diese bringt, ist man zu zweit,
ein hohes Maß an Zweisamkeit!
Bitte leuchtet munter weiter -
dann finden wir danach die Kleider.
Sonntag, 29. Juli 2007
Der Egoismus unserer Zeit
Zeit ist nicht zum haben da,
Zeit musst du dir nehmen
Die Zeit, als Zeit noch kostbar war
will ich nicht erwähnen.
Zeit bekommst du jetzt als Ware,
Zeit ist Geld und Geld ist Zeit
Begreife das wahrhaftig Wahre:
Geld ist eine Zeiteinheit.
Wo ist Gewinn, den du gewinnst?
Was hast du schon gewonnen?
Beeil dich, schnell, was du nicht nimmst,
das wird dir bloß genommen!
Da draußen strömen Menschenmassen,
die du besiegen wolltest -
Sie werden dich für immer hassen,
wenn du nicht kämpfen solltest!
Spring zur Tür, bevor sie zugeht,
nimm den Kampf auf, auf, hinaus!
Hol dir endlich, was dir zusteht,
sonst gehst du leer und hungrig aus!
Sei vernünftig, hör’ auf mich,
beginne jetzt ein Blutvergießen!
Viele Menschen brauchen dich -
doch sind sie auf dich angewiesen?
Du stehst bei dir an erster Stelle!
Erbaue eifrig deine Welt!
Wirf dein Glück über die Schwelle!
Deine Bräute: Zeit und Geld.
Rechne nie mit guten Seelen,
alle drohen dir mit Hass!
Alle werden dich bestehlen,
dich quälen ohne Unterlass!
Träume nicht von einer Welt,
in der sich Zeit von Geld befreit,
weil Geld Zeit ist und Zeit Geld,
ist sie dem Untergang geweiht!
Dienstag, 24. Juli 2007
Erwachsen zu werden
Der Kindheit entwachsen, heißt
erwachsen zu werden, meist
Kindliche Freiheit, weicht
Verantwortung tragen, vielleicht
Entwachsen zu sein, bedeutet
Unabhängigkeit, erbeutet
von denen ich abhing - wann?
sie hängen von mir ab - dann
Plötzlich Fürsorge, Sorgen
Wovon wohin leben, morgen
Treu sein, sich binden, immer?
Beziehungsweise, schlimmer?
Eigene Beine, stehen - auf beiden?
Vorbildfunktion, vorbildlich vermeiden?
Mit Gewalt, Kind bleiben, siegen!
Kummer, kümmern, aufopfern, lieben
Freitag, 20. Juli 2007
So weit die Füße tragen
So weit die Füße tragen
will ich mit dir gehen.
Bei dir sein und zu dir stehen,
zwischen Zweifel, zwischen Fragen.
Bitte, lass mich nicht versagen.
Ich will deinen Plan verstehen,
deine Liebe wachsen sehen,
deine Worte leben wagen.
Oft sind meine Füße schwer,
keine Kraft zum Gehen mehr.
Doch wie leben ohne dich?
Wenn meine Füße nicht mehr tragen,
will ich wagen, dich zu fragen:
Trägst du mich?
Dienstag, 10. Juli 2007
Sehnsucht
Du musst gehen.
Der Abschied fällt schwer.
Ohne dich scheint mein Dasein so leer.
Ich weiß, ich werde dich vermissen,
es vermissen, dich bei mir zu wissen.
Ich fürchte nichts mehr.
Sich klammern ans Nichts.
Die Sonne scheint nur für den Schatten zu scheinen,
immer brav lächeln - viel lieber weinen.
Das Blau des Himmels grämt sich zu Grau,
als graute ihm vor seinem strahlenden Blau.
Mehr fürchte ich nichts.
Ich möchte nichts als bei dir sein!
Die Saat der Liebe säen gehen,
die Sonne untergehen sehen.
Deine Hand in meiner halten,
meine Hand in deine falten.
Bald vereint, noch allein.
Freitag, 6. Juli 2007
Konklave
Im Vatikan, ja, in ganz Rom
bespricht man heut’ den Petersdom.
Der Papst in seiner Heiligkeit
hat dessen Heiligkeit entweiht!
Mit einer Schrift in scharfem Ton.
Genagelt an die Vorderpforte
liest man ungeahnte Worte:
Großer Reichtum wird verweigert -
der Schatz der Kirche bald versteigert!
Zugunsten bitterarmer Orte.
Dem Priester ist es nun gestattet,
dass er legal sein Weib begattet.
Und weil Geschlechtskrankheiten wüten
darf man in Afrika verhüten!
Der Römer Geistlichkeit ermattet.
Den Papst ereilt die schnelle Strafe,
zu seiner Schlafstatt strömen Gase.
In der Zeitung wird man lesen,
es sei ein Herzinfarkt gewesen!
Die Greise schreiten zum Konklave.
Mittwoch, 4. Juli 2007
Vom Lieben
Ich möchte so gerne bedingungslos lieben.
Nicht gehindert durch Sorge und Neid,
die eitlen Komplizen der Selbstverliebtheit.
Nicht von Vorurteilen ins Dunkel getrieben.
Ich will dich bereichern, mich freuen auf dich.
Will dir all mein Vertrauen schenken,
nur an das Schöne der Liebe denken.
Doch viel zu häufig scheitere ich.
Ich sehne mich, diese Gabe zu haben.
Dich anzunehmen, dich ganz allein,
nicht überlegen, überlegen zu sein.
Sondern dich hoch über allem zu tragen.
Ich greife danach, dir gerecht zu werden.
Dich aufzufangen, wann immer du fällst,
weil du mein Glück in den Händen hältst.
Nichts soll diese Sehnsucht gefährden.