Montag, 23. April 2007
Der zerbrochene Traum
Er ist verblasst, hängt ziellos im Raum.
Ein Jubelschrei, ohne Hörer verhallt.
Eine nur schemenhafte Gestalt.
Eine geplatzte Blase aus Schaum.
Er gleicht einem vom Sturm entwurzelten Baum.
Eine Maus, vom Habicht gekrallt.
Eine Blüte, zertreten mit Gewalt.
Der zerbrochene Traum.
Er scheiterte an zu vielen Schranken,
verfolgt mich nun mit tristen Gedanken,
die meine Lebensfreude rauben.
Wie Wasser, das im Sande zerrann,
zerbrach dieser sehnliche Traum daran,
dass ich nicht wagte, an ihn zu glauben.
Freitag, 20. April 2007
Der Politiker
Er stolziert aufrecht, mit erhobenem Haupt,
weil er an das Gute im Menschen glaubt.
Die Haare korrekt nach hinten gekämmt,
perfekt sitzt das Lächeln, blütenweiß ist das Hemd.
Der klare Blick aus dunklen Pupillen
verzaubert Wähler und Wählerinnen.
Er kommt aus gutem, fast adligem Haus,
kennt sich in gehobenen Kreisen aus.
Ein Mittagessen mit dem Präsident
und per Blaulicht zurück ins Parlament.
Es gilt, eine Nation zu regieren!
Und dabei nie den Ruf zu verlieren.
Doch im volksnahem Medienobjekt
ist aalglatte Arroganz versteckt -
Mit entrückten Gedanken aus weltfremden Sphären,
verstrickt in dubiose Spendenaffären.
Ein wehrloser Spielball des Egoismus,
ein mächtiger Mann, ganz ohne Einfluss.
Sein Leben ist hektisch, er blickt auf die Uhr,
sinnt über die nächste Kandidatur.
Seine Wähler beäugt er mit Gleichgültigkeit,
für ihre Probleme fehlt ihm die Zeit.
Im Spiegel lächelt sein stolzes Gesicht.
Das wahre Leben kennt er nicht.
Samstag, 14. April 2007
Von einem, der aufgab
Was ist das Leben, was ist die Welt?
Ein reißendes Meer voll tödlicher Wogen.
Menschen, gewaltsam in Schubladen gebogen.
Zerfressen von Neid, gierend nach Geld.
Ich habe meine Entscheidung gefällt:
Werde nie mehr missbraucht und belogen,
sondern vom Wasser abwärts gezogen.
Da ist nichts mehr, was mich hält.
Im unbarmherzigen Ozean
schwimmt keiner, der bestehen kann.
Auch du wirst am Ende ertrinken.
Darum folge mir nach, gib endlich auf!
Lass der Erlösung freien Lauf.
Lass dich sinken…
Mittwoch, 11. April 2007
Schlaflos
Was bin ich denn so schlaflos?
Was raubt mir denn die Nacht?
Der Gedankenströme maßlos,
doch nichts zu End’ gedacht!
Mein Körper ohne Rast,
mein Kopf so aufgewühlt.
Die Schultern voller Last,
im Geiste ausgekühlt.
Schwärze der Nacht, so komm und rette mich!
Hülle die Welt in Dunkelheit!
Entzünde die Sterne zärtlich,
auf dass ich ruhe in Seeligkeit.
Wie viel’ sind schon verzweifelt
am nächtlichen Leid?
Im Mondesschein gegeißelt
durch Schlaflosigkeit.
Samstag, 7. April 2007
Sterben lernen
Die größte Beachtung wird dir geschenkt,
wenn du noch im Bauch deiner Mutter liegst
oder dich sanft in ihren Armen wiegst.
Dein Leben wird in sicheren Bahnen gelenkt.
Später, wenn alles von dir abhängt,
du selbst Kindern das Leben gibst
und plötzlich deine Frau nicht mehr liebst,
hat man die Anerkennung gesenkt.
Als Greis bis du unzugänglich,
man ist feige und meidet dich.
Du bist einsam, die Wohnung ist leer.
Wenn man dich noch einmal ruhmreich verehrt
und dir eine Vielzahl an Gästen beschert,
lebst du schon einige Tage nicht mehr.
Donnerstag, 5. April 2007
Sternschnupfen
Luisa war drei, als sie Wörter kreierte,
so rief sie laut “Sternschnupfen!”,
wenn sie sah, dass ein Meteorit
an der Erdatmosphäre krepierte.
Natürlich wollte sie so auf Schnuppen hinweisen,
doch war es ihr schnuppe,
dass Schnuppen nicht Schnupfen
sondern ganz einfach nur Schnuppen heißen.
Heute ist Luisa älter,
sie geht in die Schule.
Aber der Umgang ist nun anderer Art:
Für Schnupfen statt Schnuppen
steht jetzt ein Fehler im Diktat…
War es nicht schön, so klein,
abhängig und zugleich frei zu sein?
Wir Altgewordenen haben eine Lektion zu erlernen:
Wir müssen die Welt sehen wie ein Kind!
Sonst sind wir - und bleiben für immer - blind.
Sonntag, 1. April 2007
Der Reiseleiter
Hör auf, dich zu quälen,
leg ab deinen Schmerz.
Deine Ängste sind klein,
befreie dein Herz.
Du bist mein.
Du kannst auf mich zählen.
Wer hat dich gemacht?
Wer hat die Wunder der Erde geschaffen?
Hast du nicht immer am Ende gelacht?
Hab’ ich dich jemals im Stich gelassen?
Schau auf zu den Bergen!
Du kannst sie bezwingen.
Wag nicht, dich von deinem Ziel zu entfernen,
du wirst fantastische Siege erringen!
Greif nach den Sternen.
Nur ich kann dich auf deiner Reise stärken.
Vertrau ganz mir
und glaub an mich.
Ich bleib’ bei dir.
Ich verlass’ dich nicht.