Dienstag, 30. Oktober 2007
Märchen der Schönheit
Mein Spieglein, mein Spieglein, dort an der Wand!
Ich stehe still vor dir und mustere mich:
so jung und so schlank, so unwiderstehlich!
Sag, bin ich der Schönste im ganzen Land?
Die große, kräftige Hand fährt entspannt
über mein Kinn, die Augen glänzen glücklich.
Sprich, lieber Spiegel, sprich - beeindruckt das dich?
Ich fixiere all die Schönheit gebannt.
Doch schon in Jahren werden Nachfahren
von mir sich in dir, bester Spiegel, sehen.
Die Schönheit an mir wird eilig vergehen.
Der Versuch, sie auf Dauer zu wahren
ist kläglich; vergänglich ist alles, was lebt.
Wirklich schön wird nur, wer auch im Geist sich regt.
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