Sonntag, 27. Januar 2008

Dusch-Drama in drei Akten

ERSTER AKT

ER: „Dir klebt noch ein wenig Schokolade am Kinn!“
SIE: „Da kannst du mal sehen, wie süß ich doch bin…“
ER: „Gleich kommen die Gäste, so kann das nicht bleiben!“
SIE: „Ich wollte eh gerade in die Dusche steigen.“

ZWEITER AKT

Gesagt, getan, sie sieht sich noch
im Spiegel an,
denkt: Da klebt ja tatsächlich
noch Schokolade dran!
Wie schändlich, wie grässlich!

Schon ist sie an ihm vorbeigehuscht –
ins Badezimmer.
Sie trödelt wie immer
Und duscht über Stunden, sie duscht und duscht.

DRITTER AKT

ER (versauert):
„Mein Gott, das hat ja ewig gedauert!
Was hast du so lange im Bad gemacht?“
SIE (lacht):
„Geduscht. Was sonst?“
ER (tritt ihr gefährlich nah):
„Der Schokoladenfleck ist ja immer noch da!“
SIE (schockiert in den Spiegel starrend

und kleinlaut verharrend):
„Ja.“
ER (verächtlich):
„Na, das kann ich leiden!
Erst an mir vorüberhuschen
und dann beim ewigen Duschen pfuschen!“

Montag, 21. Januar 2008

Nichts als Worte

Bann gebrochen, aus der Quelle
strudeln, rauschen, strömen, fließen
Worte, maßlos, auf die Schnelle
schreien, Öl ins Feuer gießen.

Brausend, tosend, unaufhaltsam
graben Worte tiefe Schluchten;
lautstark, leise, hektisch, einsam
schaffen Berge, Meere, Buchten.

Jeder spricht sie, wahllos Worte;
Worte, brechen, viel Polemik
Worte öffnen dir die Pforte -
rede viel und sage wenig!

Brüllen, Wettern, Zischen, Flehen
Worte, die die Ohren quälen;
Worte lassen untergehen,
töten Menschen, kaufen Seelen.

Doch:
Wortreich dargestellte Taten
lassen meistens auf sich warten.

Mittwoch, 16. Januar 2008

In der Nähe

Wenn draußen gerade die Welt untergeht,
ein Kreuz auf dem Grab aller Hoffnungen steht,
die Medienwelt Hass und Vorurteil sät,
ein Schneemann den Winter um Kälte befleht -

Wenn ich dabei nicht im Missmut ersticke,
noch täglich ein Lächeln nach außen schicke,
vor Belastung nicht auf die Knie knicke,
entspannt auf die folgenden Tage blicke -

Wenn ich aufrecht stehe,
furchtlos vorwärts gehe,
bist, wie ich das sehe,
du in meiner Nähe.

Donnerstag, 3. Januar 2008

Dialog zwischen Jüngling und Liebe

DER LIEBENDE:
“O, wenn sie nur auf ewig bliebe!
sag, bleibst du ewig, liebe Liebe?”

DIE LIEBE:
“Liebender, selbst hast du’s in der Hand!
Brennst du noch - und hast du je gebrannt?”

DER LIEBENDE:
“Ich brenne und lodere vor Glück!
Nie geb’ ich diese Liebe zurück!”

DIE LIEBE:
“Dann höre nie auf, deines Amtes zu walten,
wage es nicht, jemals zu erkalten
wie bemitleidenswert lieblose Gestalten.
Sondern brenne und lodere wie du nur kannst
bis du auch deine Geliebte entflammst!
So, ich verspreche es, wirst du mich behalten.”