Sonntag, 14. Juni 2009

Soldat sein

Du rennst im Regen und Schweißperlen rinnen
und klammern sich an die Haare und brennen
und röhrend rauscht dir das Blut in den Ohren
und verklebt deinen Gaumen salzig und fad

Schon hinter und über und neben dir Tod
die schmatzenden Stiefel dumpf donnernd im Schlamm
Du atmest die dickflüssig-dampfende Luft
stürmst stampfend in Freiheit und Stille und spürst -

doch lebenslang Leere und Scherben und Leid

Dienstag, 26. Mai 2009

Da draußen

Dieser Hast-Last aus Eile und Information
dieser oberflächlichen Television
diesem Duschwasser-kalt Koffein-konsumier Zwang
diesem melodiearmen Kassen-Bass Einklang
dieser Online Spiel Spaß und Sex Illusion
und der Kommunikations-selbst-Prostitution
entflieht nur
pure Natur
und Liebe und Stille
und Fühlen -
wenn überhaupt.

Mittwoch, 11. März 2009

koma

erfurt
emsdetten
winnenden
dokumente von ohnmacht
und lieblosigkeit
Hilfeschreie. mit großem echo zwar
und kopfschütteln und unglaube
und erklärungsversuchen
aber am ende?
dann bis in drei jahren

Freitag, 27. Februar 2009

Hurra, Fortschritt

Noch schnell mit dem Finger den Bildschirm berührt,
der hell Triviales zu Wichtigem kürt.
In Sekundenbruchteilen von mir in die Welt,
die nun Seelenbruchteile der User enthält.

Erreichbar? Und immer? Und alles berichten?
Sich zum Sichten eines jeden Verrichtens verpflichten?
Die neue Freiheit: Zermürbender Zugzwang?
Ausnahmslos ähnlicher einsamer Einklang?

Übermäßig medial mit Massen vernetzt,
gebrochen, verletzt ins Netz gehetzt,
um Eins-Null-Männchen mit Photoshop-Fratzen
mitzählend an der Oberfläche zu kratzen.

Montag, 26. Januar 2009

Aufbruch

Kreischend umkreisen Möwen die Kräne,
dem Seemann tropft eine salzige Träne
von den Augen durch den Bart auf die Hand.
Der Blick zurück, die Hafensirene -
die Schiffsschraube speit die nasse Fontäne,
die Stadt verblasst in der nebligen Wand.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Stadtgespräch

In der Innenstadt stehend
von Flocken umschwebt
in Nebel gewebt
und Liebe gelebt
habe ich diesen Abend erlebt

In dein Inneres sehend
von Kälte bedrückt
in Schatten gerückt
von Liebe beglückt
haben uns sanft die Flocken geschmückt

Durch den Winterwind wehend
beide befangen
wolkenverhangen
sind wir nach langem
Küssen auseinander gegangen

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Am Heiligen Abend

Vereint alljährlich im Winter
Großeltern, Eltern und Kinder
Als starker Bund, als höchstes Gut
Sitzen wir festlich beim Essen
Unzertrennlich, Unvergessen
Wie viel Glück und Ehre hier ruht
Lasst uns danken für dieses Bild
den Zuspruch, der uns heute gilt
Familie bringt Frieden, Trost, Mut

Dienstag, 16. Dezember 2008

Küssende Muse

Ohne dich wären die Sonette Skelette,
Terzinen Ruinen, die Jamben nur Schein.
Wo bliebe die Liebe, wenn ich dich nicht hätte,
Wem nützte mein Geben, mein Leben, mein Sein?

Diese Worte wären bloß reimende Zeichen,
gefühlsarme Tinte auf hellem Papier.
Was sollten die lieblosen Zeichen erreichen?
Ohne innige Inspiration von dir.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Beinahe besinnlich

Trübe, erschöpfte Vorstadtgesichter
gleiten glanzlos durch glitzernde Gassen,
die brüllen: schenken, kaufen, verprassen.
Lustlos lahm leuchten leidende Lichter.

Termine rasen schneller und dichter,
weil Pflichten Licht keine Lichtung lassen,
verpassen Massen das Sinn-Erfassen,
strudeln haltlos im Vorweihnachtstrichter.

Das Ende kommt am heiligen Abend,
wenn Kinder, an Gaben sich labend,
nicht wissen, warum es Geschenke gibt.

Weil einer kam, den die Welt heute ehrt,
der uns Toleranz und Hingabe lehrt,
einer, der selbstlos und aufopfernd liebt.

Freitag, 14. November 2008

Zwei

Ich sitze vor Scherben, versuche zu heilen,
was Nomen und Verben gewaltsam zerbrachen.
Ich stehe und starre und will mich beeilen,
doch scharre und harre seit wir zuletzt sprachen.
Gelegentlich sehe ich Vögel auffliegen,
ich liege und flehe schnell zu dir zu schweben,
um sämtliche Risse sofort zu besiegen,
weil ich dich vermisse, hier in meinem Leben.