Freitag, 27. Februar 2009

Hurra, Fortschritt

Noch schnell mit dem Finger den Bildschirm berührt,
der hell Triviales zu Wichtigem kürt.
In Sekundenbruchteilen von mir in die Welt,
die nun Seelenbruchteile der User enthält.

Erreichbar? Und immer? Und alles berichten?
Sich zum Sichten eines jeden Verrichtens verpflichten?
Die neue Freiheit: Zermürbender Zugzwang?
Ausnahmslos ähnlicher einsamer Einklang?

Übermäßig medial mit Massen vernetzt,
gebrochen, verletzt ins Netz gehetzt,
um Eins-Null-Männchen mit Photoshop-Fratzen
mitzählend an der Oberfläche zu kratzen.

Montag, 26. Januar 2009

Aufbruch

Kreischend umkreisen Möwen die Kräne,
dem Seemann tropft eine salzige Träne
von den Augen durch den Bart auf die Hand.
Der Blick zurück, die Hafensirene -
die Schiffsschraube speit die nasse Fontäne,
die Stadt verblasst in der nebligen Wand.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Stadtgespräch

In der Innenstadt stehend
von Flocken umschwebt
in Nebel gewebt
und Liebe gelebt
habe ich diesen Abend erlebt

In dein Inneres sehend
von Kälte bedrückt
in Schatten gerückt
von Liebe beglückt
haben uns sanft die Flocken geschmückt

Durch den Winterwind wehend
beide befangen
wolkenverhangen
sind wir nach langem
Küssen auseinander gegangen

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Am Heiligen Abend

Vereint alljährlich im Winter
Großeltern, Eltern und Kinder
Als starker Bund, als höchstes Gut
Sitzen wir festlich beim Essen
Unzertrennlich, Unvergessen
Wie viel Glück und Ehre hier ruht
Lasst uns danken für dieses Bild
den Zuspruch, der uns heute gilt
Familie bringt Frieden, Trost, Mut

Dienstag, 16. Dezember 2008

Küssende Muse

Ohne dich wären die Sonette Skelette,
Terzinen Ruinen, die Jamben nur Schein.
Wo bliebe die Liebe, wenn ich dich nicht hätte,
Wem nützte mein Geben, mein Leben, mein Sein?

Diese Worte wären bloß reimende Zeichen,
gefühlsarme Tinte auf hellem Papier.
Was sollten die lieblosen Zeichen erreichen?
Ohne innige Inspiration von dir.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Beinahe besinnlich

Trübe, erschöpfte Vorstadtgesichter
gleiten glanzlos durch glitzernde Gassen,
die brüllen: schenken, kaufen, verprassen.
Lustlos lahm leuchten leidende Lichter.

Termine rasen schneller und dichter,
weil Pflichten Licht keine Lichtung lassen,
verpassen Massen das Sinn-Erfassen,
strudeln haltlos im Vorweihnachtstrichter.

Das Ende kommt am heiligen Abend,
wenn Kinder, an Gaben sich labend,
nicht wissen, warum es Geschenke gibt.

Weil einer kam, den die Welt heute ehrt,
der uns Toleranz und Hingabe lehrt,
einer, der selbstlos und aufopfernd liebt.

Freitag, 14. November 2008

Zwei

Ich sitze vor Scherben, versuche zu heilen,
was Nomen und Verben gewaltsam zerbrachen.
Ich stehe und starre und will mich beeilen,
doch scharre und harre seit wir zuletzt sprachen.
Gelegentlich sehe ich Vögel auffliegen,
ich liege und flehe schnell zu dir zu schweben,
um sämtliche Risse sofort zu besiegen,
weil ich dich vermisse, hier in meinem Leben.

Samstag, 8. November 2008

Auf der Flucht

Ausdruckslose Dunkelheit
durchbohrt von weißen Lichtern
reflektierte Müdigkeit
aus gähnenden Gesichtern

Gelbe Pfeile in der Nacht
verzerren die Gedanken
Die erdrückend kalte Pracht
aus graubemalten Planken

Auf der Flucht zu dir bin ich
in Finsternis gefangen
alle Sehnen sehnen sich
jetzt zu dir zu gelangen

Stetig quält die Nacht mit Macht
heiße Einsamkeit in mir
Erst wenn hell der Tag erwacht
finde dankbar ich zu dir

Freitag, 17. Oktober 2008

Blickkontakt

Plötzlich zwei Augen, die strahlen,
die funkeln und untermalen,
was es bedeutet, zu leben:
einander Hoffnung zu geben.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Assoziationen vor Mitternacht

Ich will dich so gern in den Armen halten
und spüre nur meine Füße erkalten.
Der Regen tropft gleichförmig nass auf das Glas
und erinnert an Rennen im taufeuchten Gras.
Statt strahlendem Himmel nur schweigende Wand
mein Mund ohne Mund, meine Hand ohne Hand.
Windschiefe Türme aus brennenden Fragen,
die aus dem Nichts in den Himmel aufragen,
die Sommer und Jahre spürbar verkürzen.
Um irgendwann bröckelnd auf mich zu stürzen?