Mittwoch, 8. Oktober 2008

Weichen

Deine Ansprüche an dich
wurden höher mit den Jahren.
Trugbilder sind innerlich
schon seit Jahren festgefahren.

Du im Anzug, schlank und reich!
Das Haus, die Kinder, der Garten.
Du im Aufzug, krank und bleich?
In Armut Hilfe erwarten.

Du als Autor - in Paris!
Diskutieren mit den Dichtern.
Du im Alter. Rente: Mies.
Enkel mit langen Gesichtern.

Wo ist Wirklichkeit, wo Schein?
Wie sind Traum und Trug zu trennen?
Du suchst Sinn in deinem Sein,
erstrebst lebenslanges Lernen.

Welche Weichen wohin stellen?
Die Entscheidung zementieren?
Schnell musst du sie plötzlich fällen,
darfst nie wieder revidieren.

Mittwoch, 24. September 2008

Alter Bekannter

Er steht unvermittelt da
und was gestern Alltag war,
gilt ab heute niemals mehr.
Er, die letzte Sicherheit,
hält sich täglich neu bereit,
hinterlässt die Fülle leer.
Er kommt stets zur falschen Zeit,
zwingt zu Ernst und Bitterkeit.
Man verdrängte ihn zu sehr.

Montag, 8. September 2008

Strenge Stadt

In einer Straßenbahn bei Nacht
ist Offenheit nicht angebracht.
Niemand ist da, der zaghaft lacht,
der lächelnd Menschen Freude macht.
Jeder ist stets darauf bedacht,
dass neben ihm die Strenge wacht.

Bloß nicht zeigen, was wir fühlen!
Hartes Herz herunterkühlen!

Geistig längst auf allen Vieren
zählt es nur zu funktionieren,
Emotionen einzufrieren.
Erst Gefühle isolieren
und dann traurig registrieren,
dass wir Menschlichkeit verlieren.

Mittwoch, 6. August 2008

Ebbe

War da nicht eben noch Meer?
Da war doch eben noch mehr!
Plötzlich statt Meer eher Teer,
statt unbeschwert eher schwer,
statt voll von Meer eher leer.
Leeres Meer ängstigt mich sehr,
gebt mir mein Meer wieder her!

Samstag, 26. Juli 2008

Ab heute soll es Liebe sein

STROPHE I:
Heute ist der Tag der Tage, ihr schließt den Bund des Lebens.
Ein Tag, der wie kein zweiter ist, ein Tag des Glücks, des Segens.
Von fern, von nah ist man gekommen, euch zu gratulieren.
Eure Erinnerung daran werdet ihr nie verlieren.

KEHRVERS:
Ab heute soll nur Liebe sein in eurem Tun und Handeln,
denn Liebe kann das schlimmste Leid in Lebensfreude wandeln.
Seid ein Licht für diese Welt, ein Funken Hoffnung in der Nacht.
Was in euren Herzen brennt, ist für die Ewigkeit entfacht.

STROPHE II:
Geht gemeinsam durch die guten und durch die schlechten Zeiten.
Es rufen neue Ufer, doch die Liebe wird euch leiten.
Auch nach Monaten und Jahren im Paradies auf Erden
Soll eure Liebe kostbar sein, nicht selbstverständlich werden.

BRIDGE:
Fangt euch gegenseitig auf, was immer auch geschieht,
alles, was ihr braucht, ist Liebe – Love is all you need.

Sonntag, 20. Juli 2008

Zwölf Fragen

Ist die Krone der Schöpfung erschöpft?
Das Haupt der Evolution geköpft?
Der Planet zur Genüge geschröpft?

Antidepressiva statt Liebe?
Statt Zärtlichkeit Tritte und Hiebe?
Siegen schließlich viehische Triebe?

Knicken wir vor Beeinflussung ein?
Lasse ich meinen Nächsten allein?
Lässt du dein Allgemeindenken sein?

Sieben Milliarden auf engstem Raum?
Jeder kennt sich, die anderen kaum?
Zerstört Egoismus jeden Traum?

Samstag, 19. Juli 2008

Mauer

Das Licht surrt unerträglich laut,
die Mauer, die sich in mir baut
schaut in mich, mein Herz umschließend.
Jetzt gewinnt sie neue Steine,
Stein auf Stein, lässt mich alleine,
meine Mauer: Sieg genießend.

Samstag, 28. Juni 2008

Paris

Menschen, die auf Alleen flanieren,
lachend durch Parks und Gärten spazieren,
Hand in Hand auf den Champs-Elysées gehen,
Arm in Arm vor dem Tour d’Eiffel stehen.

Menschen, die Musik in die Métro tragen,
Sonnengleich strahlen an blassgrauen Tagen,
mittags Magie am Montmartre genießen,
abends den Tag mit Rotwein beschließen.

Menschen, die spüren, zu dir zu gehören,
sich nicht an Herkunft und Aussprache stören,
die Welt vergessen an den Ufern der Seine!
Du bleibst einzigartig, Paris, je t’aime.

Montag, 9. Juni 2008

Kissenschlacht

Dich so lange nicht bei mir zu wissen
heißt: Die Flagge der Einsamkeit hissen.
In meinem Arm statt dir nur ein Kissen!
Suchen, nicht finden, das ist: vermissen.

Mit Kissen (im Arm, statt dir) stapfe ich
durchs Haus - ganz öde und leer ohne dich.
Im Briefkasten keine Briefe für mich!
Durch Einsamkeit bin ich: unerfreulich.

Draußen: Regen trotz hellem Sonnenschein.
Für überm Kopf ist das Kissen zu fein -
ich wickle es in meine Jacke ein!
Jetzt fühle ich mich im Regen allein.

Donnerstag, 5. Juni 2008

Tears in Heaven

Hoffnung und Vorfreude nehmen dich ein,
du hast einen Grund glücklich zu sein.
Du lachst und könntest tanzen deswegen.
Irgendwer hat etwas dagegen.

Hoffnung und Freude, gesetzt in den Bauch,
entschwinden jäh, das Glück schwindet auch.
Zweifel des Lebens, Antwort vergebens,
bestattet im Dröhnen des Regens.

Wer erklärt mit das Leiden im Leben?
Am Ende wird es kein Leid mehr geben.
There will be no more tears, here in heaven.
Wer aber trocknet die irdischen Tränen?